Erlebnisse

Der Jungfernschreck

Hallo gemeines Volk,

letztens bin ich unfreiwillig auf einer obskuren Party gelandet, die mich zutiefst verstört hat.
Mittlerweile kann mich eigentlich nichts mehr schockieren, ich habe schon alles erlebt: Lesben, die breitbeinig mit ihrem imaginären Hodensack voll gefaktem Testosteron rumlaufen, fremde Typen, die mich ankotzen, vollschlanke Mädchen mit sicherlich fünf Cosmos zu viel im Blut, die die Treppe runterfallen und mich gleich mit in den Abgrund reißen und Leute, die an meinem Kim-Kardashian-Arsch rumgrabbeln.
Achja und dieser Schwule, der es irgendwie geschafft hat, mir seine verschwitzte Achsel auf der Tanzfläche durch meine Visage zu ziehen (ich will nicht dramatisch klingen, aber am nächsten Tag hatte ich Pickel)

Doch wie schon meine Kollegin Glossy Mona damals bei meinem Stripperpraktikum sagte: es geht immer noch ‘ne Nummer angefuckter. (Und Glossy Mona weiß, wovon sie spricht, sie hat mal in einem Flatrate-Strippclub malocht).

Also, back to business. Ich bin abends auf dieser Party aufgekreuzt, die sich nach ein paar Minuten allerdings als “Vorparty” entpuppt hat. Die Party vor der eigentlichen Party.
Ich kannte dort nur eine Person, die mich aus unverständlichen Gründen eingeladen hat. Die restlichen Personen sahen nicht nur wie Mathestudenten aus, es waren tatsächlich Vollblutmathestudenten aus dem Bilderbuch.
Grundsätzlich kann ich ganz gut mit Menschen umgehen- vorallem wenn Alkohol fließt. Das Problem war allerdings, dass jeder höchstens ein mickriges Bier pro Stunde getrunken hat.
Auch kein Problem, nicht jeder kann so eine elende Schnapsnase sein wie ich.
Also bin ich nach einer halben Stunde und 4 Fluppen später fast in meinem Ikea Klappstuhl “Vilmar” eingeschlafen, wäre da nicht diese bebrillte Quatschtüte gewesen, die sich anscheinend irgendwie bei seinen Kameraden (und mir?) profilieren wollte.
Er trug eine knallrote Chino-Hose, ein blaues T-Shirt mit dem Spruch “Keep Calm And Calculate On” und natürlich diese Brille, die viel zu klein für seine Augen war.
Es ist mir ein Rätsel, wie man sich profilieren will, wenn man schon so aussieht. Ich bin keine oberflächliche Bitch, aber wenn man mich nervt, werd ich ätzend. Die Frage, ob er in einer Clownsschule aufgewachsen ist, wollte er mir nicht beantworten.
Hier nun ein paar Beispiele, warum ich diese Person so gefressen hab:

“Ich hasse Menschen, die basic sind ey” (Ich weiß nicht mal genau, wen er damit meint, aber der Ton war mir ‘ne Spur zu arrogant)
“Ich würde dumme Menschen in meiner Uni am liebsten verprügeln ey, aber ich hab zu viel Niveau, um meine Kraft an diesen Spastikern zu verschwenden” (Ganz toll, ein abgemagerter Streber, der sich offenbar für Hulk hält)
“Die Schwulen heutzutage haben kein Niveau mehr, so richtiges Proletariat ey. Wenn man mich schon anmacht, dann bitte nicht so plump” (Achja, der war schwul und ich bin bin mir ziemlich sicher, dass er nie angemacht wird und wenn, dann freut er sich garantiert einen Ast. Oder einen Zahnstocher.)
“Ich hatte mal drei Stunden einen Dreier, dann hab ich einen Joint geraucht und weitergemacht” (An dieser Stelle habe ich ihn einfach ausgelacht)

Jetzt habe ich euch verdeutlicht, warum ich mich in dieser illustren Runde nicht sonderlich wohlgefühlt habe. Diese, aus unerfindlichen Gründen, eingebildete Quatschtüte war die einzige Person, die gelabert hat. DIE.GANZE.ZEIT.NUR.”ICH ICH ICH ICH ICH….”

Irgendwann verabschiedet sich auch mein Geduldsfaden. Wenn ich auf einer Party bin und man sich so verhält, bin ich schon leicht genervt, aber wenn man diese Egoshow abzieht, während ich noch sehnsüchtig auf meinen ersten Drink warte, dann bewegt man sich auf sehr, sehr dünnem Eis.
10 Minuten später habe ich es nicht mehr ausgehalten und allein einen Shot gekippt. Und noch einen. Und dann habe ich tatsächlich zwei andere gefunden, die mit mir trinken.
Und diese Knalltüte mit dieser unnatürlich schrillen Stimme quasselt ununterbrochen weiter.

Die gute Nachricht: ich war endlich betrunken
Die schlechte Nachricht: ich war endlich betrunken genug, um mir diesen Kerl mal vorzuknöpfen und ihm ordentlich die Leviten zu lesen.

(An dieser Stelle möchte ich nochmal kurz erwähnen, dass ich 90% der Leute dort nicht kannte)

Möglicherweise klang meine Stimme etwas zu herablassend und bitchy, vielleicht hab ich auch einfach zu abwertend geguckt, jedenfalls hüllte sich die Partygesellschaft mir nichts, dir nichts, in den Mantel des Schweigens, als ich angefangen habe, dem Typen ein paar ernste Wörtchen mitzuteilen.
Das war ziemlich awkward, weil ich mich auf dem schmalen Grat zwischen “Unsympathisches Arschloch” und “Toughe Autorität” bewegte.
Haha toughe Autorität. Das gefällt mir, kleb ich gleich mal als Schild an meine Wohnung.

Diese hohle Frucht war entweder zu überrascht von meiner verbalen Offensive oder er hatte nicht genug Mumm in den Knochen, denn er hat mich einfach – kein Scherz – comichaft mit weit aufgerissenen Augen angeglotzt. Und mich danach konsequent ignoriert. Und immer den Kopf hochnäsig-divenhaft zurückgeworfen, wenn er an mir vorbeigegangen ist.

Als wir im alle im Taxi zur Party saßen, in Münster hat man nämlich keine eigenen Autos, sagte die Trümmertunte zu Person A.:
“Ey was ist das denn für ein Jungfernschreck, was fällt dem ein und für wen hält der sich. Boah ey ich hasse den voll, mit dem red’ ich kein Wort mehr. Ey ich wär fast nicht mitgekommen!”
(Oh nein ey! Voll schlimm ey!)

Jungfernschreck. Ich liebe dieses Wort. Endlich mal ein Ausdruck, der mir gerecht wird! Mal sehen, vielleicht hänge ich auch ein Schild an meine Tür mit der Aufschrift: “Hier haust der Jungfernschreck – eine toughe Autorität.”

Für wen ich mich halte? Für jemanden, der über diesen Abend auf seinem Blog berichtet. Schluck zur Abwechslung mal das.
Ey.

– Shackles

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One thought on “Der Jungfernschreck

  1. Reblogged this on Gay-Party-Guide and more… and commented:
    In der letzten Zeit war die Frequenz an Posts in diesem Blog im Gegensatz zu den vorherigen Jahren deutlich reduziert, was beruflich begründet war. Wie heißt es so schön, man muß halt Prioritäten setzen. Der Gay-Party-Guide Eventkalender blieb davon allerdings unberührt und wurde zeitnah aktuell immer auf dem Laufenden gehalten. Vielleicht gelingt es mir die Häufigkeit an Posts wieder zu steigern und das regelmäßig, denn der Themen gäbe es genug. Wir werden sehen wie sich das zeitlich in Einklang bringen lässt.

    Was auf jeden Fall mittlerweile zu einer Seltenheit geworden ist und deutlich zu kurz kam sind die persönlichen Blog Posts. Auch in dem Fall gäbe es soviel Stoff das ich daraus eine wöchentliche Serie hätte machen können, wenn es die Zeit zugelassen hätte. Aber vielleicht schaffe ich es das zu ändern. In der Zwischenzeit bin ich allerdings auf einen anderen Blog aufmerksam geworden. Da ich in der Vergangenheit durchaus einige Male auch Posts aus anderen Blogs, insbesondere vom Teilzeitblogger, hier eingebunden habe, möchte ich Euch auf jemand anderen aufmerksam machen.

    Der Schreiber des Blogs “Flip-Flop-Forellen, Spinatwachteln und Trendlesben” nennt sich selbst Shackles und zieht gerne mit seinen Freunden/-innen um die Häuser, sprich durch Clubs und Bars nebst spontanen Exkursionen. Davon berichtet Shackles and Friends auf eine sehr amüsante und humorvolle Art und Weise von seinen bzw. deren Erlebnissen bei den Streifzügen durch die Nacht. Da meine persönlichen Blog Posts noch ein Weilchen auf sich warten lassen möchte ich Euch in der Zwischenzeit hiermit unterhalten, es lohnt sich.

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