Trendlexikon

Stolz, unabhängig und kontrollsüchtig

Hallo gemeines Volk,

kennt ihr das auch: ihr verlasst eure unverschämt überteuerte Wohnung in dem kriminellsten Viertel der Stadt, seid schon mit einem Raucherbein in einem öffentlichen Verkehrsmittel eurer Wahl und auf einmal bekommt ihr folgenden Gedanken, der sich wie ein längst überfälliger Schlaganfall anfühlt?

“Habe ich den Herd angelassen? Nein. Niemals, ich weiß doch, dass ich-oder? Hab ich?”

Dann wird euch kurz schlecht, was entweder an den vielen Tequilashots gestern Nacht, an einer plötzlichen Schwangerschaft von dem One-Night-Stand aus der ranzigen Kneipe an Christi Himmelfahrt oder eben an diesem Gedanken liegen könnte.
Gehen wir mal optimistisch davon aus, dass ihr nicht verkatert und schwanger seid. Was macht ihr nun?
Ihr steht immer noch halb in Bus/Bahn und droht, von der sich bald schließenden Tür in zwei nicht ganz symmetrische Teile gespalten zu werden. Hüpft ihr flott rein, um den Termin für die Augenbrauenauffüllung nicht zu verpassen, die ihr laut euren Instagramvorbildern bitter nötig hättet, oder rennt ihr panisch mit magisch gesteigertem Lungenvolumen und einer verblüffenden Ausdauer zurück nach Hause- nur um festzustellen, dass der Herd kälter ist als Herz meiner ehemaligen Biologielehrerin?

Diese Angst habe ich auch oft. Aber das wollte ich mir nur von der Seele reden, kommen wir zum eigentlichen Thema.

Als ich neulich mit einem lauwarmen Glas Wein in der Badewanne lag und mich geärgert habe, dass mein Shampoo leer ist, kam mir ein ähnlich gruseliger Gedanke.

“Bin ich einsam?”

Auch wenn mein komplettes Benehmen dagegen spricht, bin ich grundsätzlich ein sehr stolzes Wesen. (Dass ich “heimlich kotzen und weitertrinken” zu einer meiner Stärken zähle, lassen wir jetzt besser unkommentiert) .
“Quatsch mit Käsesoße und Nachos”, habe ich mir selbst gesagt, als ich meinen Bauchnabel von dubiosen Fusseln befreit habe. “Ich bin gerne single.”
Bin ich auch. Ich mochte das Singledasein schon immer. Man ist nicht gezwungen, jedem halbwegs normalen Menschen ohne Eddingaugenbrauen auf Tinder zu antworten. Man muss nicht auf einer “Ampelparty” Ausschau nach potenziellen Opfern, uhm, Partnern halten. Und man muss nicht verzweifelt versuchen, auf sozialen Netzwerken Kontakte zu knüpfen und nebenbei noch ganz unverfänglich und leicht flirty erwähnen, dass man “bereit für was Neues” aka single as fuck ist.

Wir brauchen alle einen kleinen Egopush. Der Mensch muss sich hin und wieder den anderen überlegen fühlen. Das ist gut für’s Selbstwertgefühl.
Die einen wollen beweisen, dass sie viel toleranter und gutherziger sind als die anderen, die anderen müssen die neusten Trendfummel frisch von Instagram tragen oder irgendwelche, sicherlich nicht giftigen, “Proteinshakes” vorm Pumpen trinken.
Und ich?
Mir hat es immer einen kleinen Kick gegeben, wenn ich mich unabhängiger als so einige Klammeraffen, die nur koexistieren können, fühle. Ich sehe wie meine Mitmenschen zur Hydra verschmelzen und wie ich als -leider nicht im Ansatz so muskulösen- Herkules mit meinem Schwert der Selbstständigkeit durch die Gegend stolziere.
Diese Wesen, ich nenne sie mal “Pärchen”, zischen mir dann Worte zu wie “Du bisssst sssssingle?? WIR kennen da jemanden, der wäre perfekt für dich! Lasssss unssss ein Date für dich aussssmachen. Ein nettessss Kennenlernen”- damit ich einer von ihnen werde. Ne verkackte Hydra mit Doppelbett und Gästezimmer.
Ein paar lebensmüde Pärchen haben schon seltsam oft versucht, mich in einem Dreier einzuspannen. Ich sollte der dritte Kopf der Hydra werden.
Doch wenn es eines gibt, auf das ich noch weniger Lust habe, als auf sämtliche Gerichte, die Avocados beinhalten, dann ist es Haarausfall. Und natürlich Dreier.
Aber jedem das Seine. Die einen Hydren mögen Dreier, die anderen lassen sich gefesselt in einem Schrank einsperren und zu jeder vollen Stunde mit einer vibrierenden Gänsefeder penetrieren. Und hören dabei Hyäne Fischer.
“Und wie hast du dann Ssssssexssss??”, fragte mich mal eine besonders mitleidige und nicht sonderliche helle Hydra.
“Mit meinem Penisssss”, war meine Antwort. “Meistens mit mir selbst, aber ab und zu auch mit einem anderen Menschen.”
“Mit wem?”, fragte die Hydra interessiert. “Wer isssst esss? Wie lang kennt ihr schon sssschon? Kennen wir ihn? Läuft da was Ernsssssteresss? Erzzzzähl unssss allessssss!”

 

In diesem Ssssinne,

single sein ist keine Schande. Nichts überstürzen, nur weil ihr in den Gedanken verliebt seid, eine Beziehung zu haben.

-Shackles.

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Erlebnisse

Unfreiwillige Snobparty mit den Reichen und Eingebildeten

Hallo gemeines Volk,
als Student schiebt man ganz gerne mal sämtliche Verpflichtungen und Verantwortungen beiseite, um mal ordentlich auf den Putz zu hauen und den stressigen Alltag zu vergessen – auch unter der Woche.
Am Mittwoch war ich nach einigen Cocktails mit Crazy Cash in Partylaune und wir sind in den einzigen Club gegangen, der in Bielefeld geöffnet hatte.
Unter dem Motto “Studentsclub” wollten wir unsere Sorgen mit reichlich Tequila runterspülen und die Tatsache ignorieren, dass wir am folgenden Tag wie tot und vollkommen nichtsnutzig vor uns hinvegetieren würden. Aber die Leber lebt nur einmal.
Erst waren wir uns noch unsicher, ob wir wirklich dort feiern gehen wollen- hatten wir doch schon oft gehört, dass sich dort die snobbige Elite Bielefelds versammelt (Nicht ganz so schlimm wie im “Elephant”, aber trotzdem snobbig und anstrengend).
Wir gehören nicht zu den oberen 10000 (besser gesagt die Bielefelder 100) und haben auch keine Freunde mit Jacuzzi oder Ferienhaus an der Côte D’Azur. Nur Freunde mit ausgeprägter Alkoholtoleranz, NRW-Tickets und Spaß am Leben, welches nicht durch das Geld der Eltern entsteht.
Da wir vor dem unscheinbar aussehenden Club niemanden, außer zwei Türstehern, gesehen haben, kippten wir unseren Billigwodka niveauvoll in schnellen, stärkenden Schlücken herunter und betraten die Welt der feierwütigen Studenten – unangeahnt dessen, was wir noch erleben würden.

Ohne jetzt groß den relativ unspektakulären Club oder die Musik zu beschreiben, komme ich direkt zum Punkt: es war alles voller Snobs. Klischeehafte Snobs. Snobs mit diesem snobbigen Gesichtsausdruck, der sich abzeichnet, wenn man Geld hat.
Woran wir das erkannt haben? Nun ja, bei den Mädchen fällt das auf den ersten Blick nicht wirklich auf. Die meisten brezeln sich auf, benutzen viel Make-Up und quetschen sich in enge Fummel. Wenn jedoch fast ausnahmslos alle Typen weiße Hemden mit Sakkos tragen und die Haare schmierig zurückgegelt haben, kann man sich sicher sein, dass man in einem Snobclub gelandet ist (Wenn ihr diese Warnsignale mal bemerken solltet, würde ich an eurer Stelle direkt wieder verschwinden)

Auf der Tanzfläche ging es auch ganz schön zur Sache. Hier ein Clubrezept:
1. Man nehme mehrere Gruppen á fünf Kerle, die alle gleich aussehen, gleich angezogen sind und die gleiche Frisur haben
2. Man füge einige hyper-stylische Mädchencliquen hinzu, die im Kreis um ihre (wahrscheinlich teuren) Handtaschen tanzen
3. Man streut vereinzelte Pärchen (Mann+Frau) dazwischen, die schon halb am ficken sind
– und heraus kommt ein typischer Club voller Wannabes.
Die Männer waren die meiste Zeit nur damit beschäftigt, sich nach Frauen umzuschauen und mit ihren Klonen darüber zu diskutieren, wer wohl die geilste Bitch ist und die Frauen haben sich entweder rar gemacht und wollten durch die Blicke der Kerle ihr Ego pushen oder sie haben bauchfrei mit einem Typen getanzt, um wahrscheinlich auch ihr Ego zu pushen.
Selbst eine Nonne hätte erkannt, dass hier gelangweilte Studenten sind, die nur was für die Nacht suchen. Niveauvoll.

Das ist natürlich normal. So funktioniert das in jedem Club. Daran war nichts snobbig. Und das war tatsächlich das Beste an diesem Club.
Der wahre Schrecken lauerte in einem Barbereich, der durch Glastüren von der Tanzfläche abgeschirmt war und den einzigen Weg zum Raucherbereich darstellte.

Zahlreiche Sitzecken pflasterten den Bereich und wirkten relativ gemütlich und entspannend. Das dachten wir uns nach einer anstrengenden Stunde des Tanzens jedenfalls.
Bis die Snobs uns einen Strich durch die betrunkene Rechnung gemacht haben.

Anmerkung: Das war keineswegs ein VIP-Bereich, wie man ihn in manchen Clubs findet. Es war eine stinknormale Ecke für Normalsterbliche-
Wir saßen also nun in einer Ecke und plötzlich tauchten drei Gestalten auf und bauten sich direkt und unverschämt nah vor uns auf. Zwei Typen in unserem Alter, weiße Hemden, blonde Haare, weiße Hautfarbe und eine überbräunte Trulla in einem viel zu kurzen Kleid.
Die Unterhaltung lief ungefähr so ab:
Typ A: “Was macht ihr hier?” (arroganter Tonfall)
Cash: “Wir sitzen.”
Typ B: “Warum?” (echauffiert)
Cash: “Warum nicht? Das sind Sofas und hier in der Ecke saß niemand.”
Trulla: “Wir sitzen hier”
Cash: “Eben aber nicht, sonst säßen wir nicht hier.”
Trulla: “Könnt ihr weggehen?”
Ich: “Wieso sollten wir? Setzt euch woanders hin”
Trulla: “Nein.”
Ich: “Wo ist denn das Problem?”
Typ A: “Weil wir hier sitzen”
Trulla: “Könnt ihr jetzt bitte weggehen..?” (arroganter Tonfall natürlich)
Ich: “Nennt mir einen vernünftigen Grund und wir gehen.”
Typ A: (hält eine Champagnerflasche hoch) “Wir haben die Ecke gemietet.”

Dann haben wir uns verzupft, als noch andere Snobs dazu kamen, die auch alle extrem arrogant geglotzt haben und sich ja so viel elitärer fühlten als wir. Und das in einem Studentenclub, das ist schon peinlich.
Ich habe sowas wirklich noch nie erlebt, wie kann man wegen einer Champagnerflasche so herablassend und arrogant sein?
Die Bartante hat uns später, als wir unsere Aggressionen mit noch mehr Tequila wegspülen mussten, erklärt, dass man die Sitzecken nicht mieten kann, aber diese Snobs denken, wenn sie Champagner kaufen, sie auch direkt die Erlaubnis haben, alles machen zu können und sich zu benehmen wie sie wollen. Die Bartante fand die Snobs auch bescheuert und affig. Sympathisches Mädchen.

Wäre das ein VIP-Bereich gewesen, in dem wir nichts zu suchen hatten, dann hätte ich das Ganze noch nachvollziehen können.
War’s aber nicht – nur in den Köpfen der selbsternannten High-Society von Bielefeld, die in der Sitzecke gethront haben, als müsste man denen die Füße küssen.

Wir haben dann, im Laufe der Nacht, diesen Gestalten immer wieder belustigte und abschätzige Blicke zugeworfen und hatten auch sonst wirklich viel Spaß auf der Tanzfläche. Die Musik war gut, der Alkohol war gut und der Pegel war perfekt. Es hat sich wirklich gelohnt. So eine Nacht, nach der man ausgepowert und zufrieden ins Bett fällt.
Ob die Snobs, die die ganze Nacht an ihrem Champus genuckelt haben und nur rumsaßen auch so viel Spaß hatten? Eher nicht. Hat man Spaß, wenn man nur damit beschäftigt ist, möglichst snobbig, arrogant und reich auszusehen? Wenn man anderen nur beweisen will, dass man was Besseres ist?

Egal wie viel Geld du hast – den aufrichtigen Spaß, den du mit deinen Freunden hast, während ihr Billigwodka trinkt, albern rumtanzt und euch selbst feiert, kann man nicht kaufen. Da hilft auch kein Champagner oder ein weißes Hemd.

In diesem Sinne
Shackles
Immer auf der Suche nach dem neusten Abfuck

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